kfd-Diözesanverband Fulda

Impuls des Monats

Taufe des Herrn....

Taufe des Herrn C     Lk 3,15-16.21-22

Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter! - Können Sie sich an Augenblicke Ihrer Kindheit erinnern, da Ihnen bewusst dieser Satz zugesprochen wurde? Oder an Ihre Sehnsucht danach, die nie erfüllt wurde. Zwei Szenen, die sich mir tief eingeprägt haben:


Eine lebenstüchtige Frau, die viel Gutes in der Sozialarbeit geleistet hat, erzählt bei einem Intensivkurs von ihrer Kindheit und ihrem Vater: Wie habe ich mich danach gesehnt, dass seine Hände mich mal streichelten, sie haben nur geschlagen…


Ein erfolgreicher Priester, der viel Anerkennung in seinem Dienst gefunden hatte, wurde von tiefen Tränen erschüttert, als er zum ersten Mal diese Zusage Gottes auf sich ganz persönlich bezog: Du bist mein geliebter Sohn!


Zwei Erfahrungen scheinen mir hier bedenkenswert: Emotionale Defizite oder gar schwere Belastungen in der Kindheit machen nicht automatisch lebensuntüchtig - ganz im Gegenteil! Im Menschen stecken ungeahnte Kräfte, etwas aus seinem Leben zu machen. Aber die tiefste Sehnsucht im Menschen wird immer Liebe heißen. Die Erfahrung, geliebt und angenommen zu sein, ist die wertvollste Gabe in jedem menschlichen Leben.


Und wir? Mit unseren Prägungen und unseren Sehnsüchten? Mit unseren Defiziten, aber auch unseren Stärken? Sehe ich meinen Glauben eigentlich zuerst und vor allem als eine Liebesbeziehung an? Das mag für Manche neu sein, die eher vom Pflichtgedanken her kommen. Pflichten zu erfüllen, ist ein hoher Wert, überhaupt kein Zweifel. Ohne Pflichten ist auch der christliche Glaube nicht zu haben. Aber ist es nicht viel mehr, wenn auch ich von Gott hören darf: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter!?


Pfarrer Peter Borta, Präses