kfd-Diözesanverband

Predigerinnentag 2021 in Fulda

Christine Adler, Predigerin in Fulda
Christine Adler, Predigerin in Fulda


12 Frauen. 12. Orte. 12 Predigten. 

2. Predigerinnentag des kfd-Bundesverbandes 


Predigt zum Tag der Apostelin Junia, 17. Mai 2021 Christiane Adler, Geistliche Begleiterin im kfd-Diözesanverband Fulda 


Ich freue mich, dass wir uns heute hier in der Stadtpfarrkirche in Fulda treffen und als getaufte Frauen und Männer gemeinsam eine Heilige Messe feiern. Wir als kfd haben ganz bewusst den 17. Mai gewählt, weil wir am heutigen Tag der Apostelin Junia in ganz besonderer Weise gedenken. Wir Frauen sehen uns in der Nachfolge der Apostelin Junia und ihrer GefährtInnen. 


Der Apostel Paulus bezeugt Junia im 16. Kapitel des Römerbriefes in seinen Grußworten: „Grüßt Andronikus und Junia, meine Landsleute, die mit mir im Gefängnis waren. Sie nehmen unter den Aposteln eine herausragende Stellung ein. Auch haben sie schon vor mir zu Christus gehört“. Paulus betont in diesem besonderen Gruß, dass besonders diese beiden – Andronikus und Junia an seiner Seite im Gefängnis saßen – ganz sicher wegen ihrer Glaubenszeugnisse, ihrer Gradlinigkeit und Verkündigungsaktivitäten. Den politischen Machthabern jener Zeit waren diese Christen ein Dorn im Auge. 


Junia war eine Apostelin, die bis ins 12. Jahrhundert als Frau anerkannt wurde,besonders auch von den Kirchenvätern der ersten Jahrhunderte. Erst seit dem Mittelalter wurde eine Namensänderung vorgenommen und aus Junia wurde der Apostel Junias. In die damalige Zeit passte es wohl nicht, eine Frau als Apostelin anzuerkennen. Durch exegetische Untersuchungen fand man jedoch heraus, dass sich der Männername Junias in der gesamten Antike nicht nachweisen lässt.


Umso mehr freut es mich, das die neueren Versionen der gängigen Bibeln Junia als Apostelin bezeugen und ihr die Bestimmung zugedacht wird, die sie verdient: nämlich eine Apostelin zu sein. Paulus und seine WeggefährtInnen wie Junia haben unermüdlich durch das Wirken des Heiligen Geistes und dessen Führung, Menschen für den Glauben an den Auferstandenen Herrn Jesus Christus begeistert. 


In der heutigen Lesung hören wir von Paulus, der nach Ephesus geht. Ephesus war damals die Hauptstadt der Provinz Asia und Sitz des römischen Stadthalters – eine wichtige wirtschaftliche Metropole. Ephesus war ein heidnischer Wallfahrtsort, an dem die Göttin Artemis angebetet wurde. Sie galt als Göttin der Jagd, des Waldes, des Mondes und der Hüterin der Frauen und Kinder. Artemis war eine der 12 Olympischen Götter der griechischen Mytologie. 


Keine leichte Aufgabe, der sich Paulus da stellte aber er und seine GefährtInnen vertrauten ganz und gar auf den Heiligen Geist. – Was tut Paulus? Er ist unterwegs, er lässt sich von der heiligen Geistkraft führen, er tauft und legt den Menschen die Hände auf. Paulus verkündet den Menschen, die er aufsucht, die Frohe Botschaft seines auferstandenen Herrn Jesus Christus. Seine Begleiterinnen tun genau dasselbe. Denn sie haben erkannt, dass durch die Taufe der Heilige Geist die Menschen belebt und befähigt, die Botschaft vom Reich Gottes zu verkündigen. Paulus sagt an anderer Stelle im Galaterbrief: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“


Durch die Taufe im Heiligen Geist werden Grenzen gesprengt und Einheit möglich. Wir stehen im Kirchenjahr kurz vor dem Hochfest Christi Himmelfahrt. Jesus hat nicht diese Erde verlassen ohne seinen Jüngern und Jüngerinnen seinen Beistand – den Heiligen Geist zu versprechen. „Johannes hat mit Wasser getauft aber ihr werdet in einigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft“ sagt er ihnen bevor er sie gen Himmel verlässt. Die Ausgießung des Heiligen Geistes dürfen wir am kommenden Pfingstfest wieder feiern. Der Heilige Geist – die Kraft, die belebt, erneuert und vereint! 


----------- Ich möchte Sie einladen nun einen Moment innerlich still zu werden – vielleicht mögen Sie die Augen schließen, Ihre Hände auf den Schoß legen und zu einer Schale formen und sich auf eine kleine Meditation einlassen: Heiliger Geist, komm du nun in ganz besonderer Weise auf jede und jeden von uns herab und berühre uns: Heiliger Geist, du Atem Gottes, berühre mich im tiefsten meiner Seele und erfrische mich Heiliger Geist, mache du in meinem Leben möglich, was mir unmöglich ist. Heiliger Geist, belebe mich und schenke mir deine Kraft STILLE Bitte öffnen Sie nun wieder Ihre Augen. 


Ich bin dankbar, dass ich jetzt gerade die Verbundenheit unter uns im Heiligen Geist spüren darf. Da wo der Heilige Geist am Wirken ist, da werden seine Früchte sichtbar: Liebe, Friede, Freundlichkeit, Geduld und Nachsicht – um nur einige zu nennen. Der Heilige Geist ist ein Geist der Kraft und des Vertrauens. Seine heilige Geistkraft stärkt uns in Zeiten der Unruhe, der Pandemie und des Gegenwindes, den wir auch in diesen Tagen wegen unserer Aktion erfahren. 


Vielleicht geht es Ihnen wie mir: Ich darf und durfte schon unzählige Male in meinem Leben d die Kraft des Heiligen Geistes erfahren. Christus lässt mich nicht allein in den Stürmen meines Lebens und glauben Sie mir, da habe ich schon einiges erfahren. Auch diese Predigt habe ich ganz und gar der Heiligen Geistkraft überlassen. Meine Arbeit in der Schule und in der Seelsorge könnte ich nicht tun ohne die Mithilfe der Heiligen Geistkraft. Sie alle könnten ganz sicher auch von Ihren Erfahrungen mit dem Beistand Gottes berichten. 


Im heutigem Evangelium des Johannes spricht Jesus in seinen Abschiedsreden vor seinem Leiden und Sterben alles Unangenehme, Bedrängende und Angstmachende an, was seine Jünger und Jüngerinnen bei seinem Leiden und Sterben und darüber hinaus auch später erfahren werden und zu erwarten haben. Jesus sagt ihnen: „Ihr werdet weinen und klagen aber diese Welt wird sich freuen. Ja, ihr werdet traurig sein aber eure Trauer wird sich in Freude verwandeln.“( Joh 16,20) Jesus kennt die Menschen – damals wie heute.


Jesus spricht auch heute hinein in unsere Wirklichkeit:  Auch wir kennen Verlassenheitsgefühle, Ängste, Sorgen und Einsamkeit gerade auch in dieser Pandemie, die uns seit über einem Jahr begleitet – uns aber zum Glück allmählich aufatmen lässt.  Auch wir sind zerstreut und oft allein in einer säkularisierten Welt, in der der Glaube oft belächelt wird.  Auch wir sind allein und erfahren mitunter Gegenwind von Geschwistern innerhalb unserer Kirche… In all diese Umbrüche unseres Lebens sagt uns Jesus Christus: „In der Welt habt ihr Angst. Aber fasst Mut, ich habe die Welt besiegt.“ ( Joh 16,33) In diesem Vertrauen auf die Wirkkraft des Heiligen Geistes lasst uns gemeinsam die Einheit in der Vielfalt leben! Amen